Verändert Escitalopram die akuten Psilocybin Wirkungen bei Gesunden?

Ja. Bei gesunden Freiwilligen blieb die positive Wirkung von Psilocybin nach zwei Wochen Escitalopram-Vorbehandlung weitgehend erhalten, während ängstliche und unangenehme Aspekte sowie einige körperliche Nebenwirkungen geringer ausfielen. Die Konzentrationsverläufe von Psilocin änderten sich nicht. Diese Ergebnisse gelten für Gesunde und kurze Vorbehandlung und lassen sich nicht automatisch auf Langzeiteinnahme oder Patientinnen und Patienten übertragen.

Was wurde untersucht und wie lief die Studie ab?

Untersucht wurde, ob eine Vorbehandlung mit Escitalopram die akuten Effekte von Psilocybin verändert. Es handelte sich um ein randomisiertes, doppelblindes, placebokontrolliertes Crossover-Design mit gesunden Teilnehmenden. Jede Person erhielt zweimal 25 Milligramm Psilocybin in getrennten Sitzungen, einmal nach 14 Tagen Escitalopram und einmal nach 14 Tagen Placebo, mit mindestens 16 Tagen Abstand zwischen den Sitzungen. Die Escitalopram-Vorphase bestand aus 7 Tagen mit 10 Milligramm täglich und weiteren 7 Tagen mit 20 Milligramm täglich, einschließlich des Psilocybin-Tages.

Erfasst wurden subjektive Erlebniswerte, autonome und kardiovaskuläre Parameter, Nebenwirkungen, Plasmaspiegel des brain-derived neurotrophic factor, das Elektrokardiogramm mit QTc-Zeit, die Genexpression von HTR2A und SLC6A4 sowie die Pharmakokinetik von Psilocin.

Was zeigte die Studie zu den subjektiven Wirkungen?

Die positiven Erlebensaspekte unter Psilocybin blieben nach Vorbehandlung mit Escitalopram im Wesentlichen bestehen. Deutlich geringer waren jedoch ängstliche und unangenehme Komponenten, darunter angstausgelöste Ich-Auflösung und negativ bewertete Drogeneffekte. Insgesamt wirkte die Erfahrung weniger belastend, ohne dass die als positiv erlebten Elemente relevant abgeschwächt wurden.

Was ergab sich zu körperlicher Sicherheit und Pharmakologie?

Escitalopram ging mit einer Abnahme ungünstiger kardiovaskulärer Reaktionen und weiterer unerwünschter Wirkungen einher. Die QTc-Zeit veränderte sich nicht, ebenso zeigten sich keine konsistenten Änderungen der zirkulierenden BDNF-Spiegel oder der HTR2A- und SLC6A4-Genexpression vor der Psilocybin-Gabe. Die Pharmakokinetik blieb unverändert, was für einen vorwiegend pharmakodynamischen Einfluss spricht. Die Halbwertszeit von freiem Psilocin lag im Mittel bei etwa 1,8 Stunden, was zur eher kurzen Wirkungsdauer von Psilocybin passt.

Wichtige Unterschiede, Grenzen und offene Fragen

Die Ergebnisse stammen von gesunden Probandinnen und Probanden nach nur zwei Wochen Escitalopram. Daraus folgt nicht automatisch, dass sich dieselben Effekte bei langfristiger SSRI-Einnahme oder bei depressiven oder ängstlichen Patientinnen und Patienten zeigen. Andere Antidepressiva können anders interagieren. Viele Studien setzen weiterhin auf Absetzen oder Pausieren von Antidepressiva vor Psilocybin, häufig aus Vorsicht und um Studienbedingungen zu vereinheitlichen. Die vorliegenden Daten deuten an, dass eine pauschale Reduktion positiver Effekte durch Escitalopram nicht zwingend ist, sie ersetzen aber kein Individualurteil und keine klinische Prüfung.

Eine verständliche Zusammenfassung der Studienergebnisse finden Sie im Tripforum. Dort wird erläutert, dass Escitalopram besonders die unangenehmen Aspekte dämpfte, die positiven Erlebnisse aber weitgehend bestehen ließ. Lesen Sie mehr unter diesem Beitrag: Hintergrund zur Escitalopram-Psilocybin-Interaktion.

Praktische Hinweise für Interessierte

Wer eine psychedelikabegleitete Behandlung erwägt und Antidepressiva einnimmt, sollte Entscheidungen zur Medikation stets mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt abstimmen. Für Anwendungen und Ziele von Psilocybin-gestützten Settings finden Sie einen Überblick zu unseren Angeboten unter Einsatzgebiet. Gruppenerfahrungen in einem strukturierten Rahmen beschreiben wir unter Retreats. Ob eine Teilnahme derzeit sinnvoll ist, können Sie unverbindlich über unseren kurzen Intake prüfen: Anmeldung.

Fazit

Bei gesunden Personen veränderte eine zweiwöchige Vorbehandlung mit Escitalopram die akuten Psilocybin-Wirkungen so, dass positive Erlebnisse weitgehend erhalten blieben und belastende Effekte abnahmen, ohne Veränderungen in der Psilocin-Pharmakokinetik. Diese Befunde sind vielversprechend, gelten jedoch nicht automatisch für Langzeitanwendung oder klinische Populationen und sollten dort in weiteren Studien geprüft werden.