Wirkt 25 mg Psilocybin bei Depression schneller als aktives Placebo?

Ja. In einer kontrollierten Studie zeigte eine Einzeldosis von 25 mg Psilocybin bei mittelgradiger bis schwerer depressiver Episode eine schnellere und stärkere Symptomreduktion als ein aktives Placebo mit 100 mg Niacin, vor allem in den ersten Wochen. Nach zwölf Monaten war der Unterschied zwischen den Gruppen nicht mehr statistisch signifikant.

Was wurde genau untersucht?

Die Studie fand in Schweden an der Northern Stockholm Psychiatric Clinic und dem Karolinska Institutet statt. Teilgenommen haben 35 Personen mit wiederkehrenden depressiven Episoden. Zufällig zugeteilt erhielten 17 Teilnehmende eine Einzeldosis von 25 mg Psilocybin, 18 erhielten 100 mg Niacin als aktives Placebo. Alle bekamen psychotherapeutische Begleitung mit einer Vorbereitungsstunde, einer Dosissitzung und drei Integrationssitzungen innerhalb von 17 Tagen. Während der Sitzung wurden das nach innen gerichtete Erleben, Musik, ein Augenmasker und die Präsenz von Psychologinnen und Psychologen genutzt.

Wie schnell und wie stark war die Wirkung?

Die wichtigste Messung war die Veränderung der depressiven Symptome am Tag 8 anhand der MADRS-Skala. Hier zeigte die Psilocybin-Gruppe eine im Mittel um 7,27 Punkte stärkere Verbesserung als die Niacin-Gruppe. Der Vorteil zugunsten von Psilocybin blieb an Tag 15 mit 11,03 Punkten und an Tag 42 mit 8,33 Punkten bestehen. Das spricht für einen schnellen und in den ersten sechs Wochen anhaltenden Effekt.

Was berichteten die Teilnehmenden selbst?

Bei der selbst ausgefüllten MADRS-S-Version zeigten sich Unterschiede bereits ab Tag 2 zugunsten von Psilocybin. Dieser Vorteil hielt in der Hauptanalyse bis Tag 102 an. Selbstberichte können jedoch durch Erwartungen beeinflusst sein, insbesondere wenn Teilnehmende vermuten, welche Substanz sie erhalten haben.

Kam es zur Remission und wie nachhaltig war der Effekt?

Bis Tag 42 erreichten 52,9 Prozent in der Psilocybin-Gruppe eine Remission der Depressionssymptome, verglichen mit 5,9 Prozent unter Niacin. Nach einem Jahr war der Unterschied zwischen den Gruppen dagegen nicht mehr signifikant, mit Remissionen von 52,9 Prozent unter Psilocybin und 41,2 Prozent unter Niacin. Das deutet auf einen deutlichen kurzfristigen Nutzen hin, während sich der Langzeiteffekt ohne weitere Maßnahmen abschwächen kann.

Wie sicher war die Behandlung?

Häufige unerwünschte Ereignisse in der Psilocybin-Gruppe waren vorübergehend und meist mild bis moderat, darunter Kopfschmerzen, Angst, veränderte Wahrnehmungen, Unruhe, Blutdruckanstieg und Kribbelgefühle. Es wurden keine schwerwiegenden Ereignisse berichtet, die als direkt durch Psilocybin verursacht eingestuft wurden. Zwei Personen erlebten jedoch anhaltende starke Angst, die medizinische Aufmerksamkeit erforderte. Das unterstreicht die Notwendigkeit sorgfältiger Vorbereitung, engmaschiger Begleitung und einer geeigneten Auswahl der Teilnehmenden.

Hielt die Verblindung stand?

Die Verblindung gelang nur unzureichend. Am Studienende erkannten 94,1 Prozent der Psilocybin-Gruppe und 100 Prozent der Niacin-Gruppe korrekt, was sie erhalten hatten. Auch Beurteilende lagen häufig richtig. Erwartungseffekte und das Erkennen psychedelischer Wirkungen können daher die Ergebnisse beeinflusst haben, was die Aussagekraft einschränkt.

Für wen gelten die Ergebnisse?

Ausgeschlossen waren Personen mit früherem Einsatz von Psychedelika, mit psychotischer oder bipolarer Störung, mit einem erstgradigen Angehörigen mit Psychose, mit aktueller Substanzstörung, in Schwangerschaft, unter laufender antidepressiver Medikation oder Psychotherapie sowie mit akuter Suizidalität. Die Resultate sind daher vor allem auf sorgfältig ausgewählte Menschen mit wiederkehrender Depression übertragbar, die keine dieser Risikofaktoren aufweisen.

Was bedeutet das für die Praxis?

Die Daten sprechen dafür, dass eine begleite Einzeldosis Psilocybin Symptome rasch lindern kann, besonders in den ersten Wochen. Damit der Nutzen länger anhält, könnten wiederholte Sitzungen, zusätzliche psychotherapeutische Unterstützung oder Erhaltungsstrategien sinnvoll sein. Größere Studien müssen klären, welche Frequenz, Dosis und Begleitung am wirksamsten und sichersten sind. Eine verständliche Zusammenfassung der JAMA-Publikation finden Sie hier: Hintergrund zur Studie und Einordnung.

Wenn Sie sich für die begleitete Anwendung im Rahmen sicherer Settings interessieren, finden Sie Informationen zu unseren Einsatzgebieten, zu unseren Retreats auf Deutsch und zur unverbindlichen Anmeldung mit Eignungscheck.

Fazit

Eine Einzeldosis von 25 mg Psilocybin wirkte in dieser Studie schneller und stärker als ein aktives Placebo, vor allem innerhalb der ersten sechs Wochen. Die Langzeitunterschiede nach einem Jahr waren nicht mehr signifikant. Sorgfältige Auswahl, professionelle Begleitung und gegebenenfalls Erhaltungsstrategien scheinen entscheidend zu sein, und größere Studien werden weitere Klarheit bringen.