Ja. Eine kleine Phase 1 Studie mit 13 Teilnehmenden mit metastasiertem Krebs deutet darauf hin, dass eine zweite gruppenbasierte Psilocybintherapie bei Personen mit nur teilweisem oder vorübergehendem Ansprechen zuvor sicher und machbar ist, ohne schwerwiegende Nebenwirkungen. Die Ergebnisse sind jedoch vorläufig, da es keine Kontrollgruppe gab und die Stichprobe klein war.
Worum geht es in der Frage?
Gefragt wird, ob eine zweite Psilocybintherapie in einem Gruppensetting für Krebspatientinnen und Krebspatienten, die nach einer ersten Erfahrung nur teilweise profitiert hatten, sicher ist. Die neue Untersuchung liefert hierzu erste Daten zu Sicherheit und Machbarkeit sowie explorative Hinweise auf psychologische Effekte.
Was wurde untersucht?
Die Studie begleitete Menschen mit fortgeschrittener Krebserkrankung, die bereits an einer gruppenbasierten Psilocybinretraite teilgenommen hatten, dabei aber kein vollständiges oder dauerhaftes Nachlassen von Angst, Niedergeschlagenheit oder existenzieller Belastung erlebt hatten. Ziel war vor allem zu prüfen, ob eine zweite Gruppenerfahrung sicher durchführbar ist und organisatorisch funktioniert.
Wie lief die zweite Gruppenerfahrung ab?
Der Intervention lagen drei Vorbereitungstermine, ein Dosierungstag mit Psilocybin und vier Integrationssitzungen zugrunde. Im Unterschied zur ersten Runde wurde die Startdosis auf 35 mg festgelegt. Bei gering ausgeprägter subjektiver Wirkung konnte nach etwa 60 bis 90 Minuten eine zusätzliche Gabe von 10 mg erfolgen. Teilnehmende mussten bestehende Antidepressiva nicht zwingend absetzen. Insgesamt schlossen 13 Personen die zweite Intervention ab, 7 von ihnen erhielten die optionale Zusatzdosis.
Wie sicher war das Vorgehen?
Schwere unerwünschte Ereignisse traten nicht auf. Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen waren vorübergehende Blutdruckerhöhung, Übelkeit und Kopfschmerzen. Auch die optionale Zusatzdosis wurde in dieser kleinen Stichprobe nicht mit neuen schwerwiegenden Sicherheitsproblemen in Verbindung gebracht. Diese Befunde sprechen für eine gute kurzfristige Verträglichkeit im untersuchten Rahmen, ersetzen aber keine systematische Sicherheitsbewertung in größeren kontrollierten Studien.
Gab es Hinweise auf Wirkung?
Die Forschenden betrachteten explorativ psychische Endpunkte. Die mittlere Punktzahl auf der Hospital Anxiety and Depression Scale sank von 15,08 zu Beginn auf 9,00 innerhalb der ersten Woche und ein Teil der Verbesserung hielt bis Woche 24 an. Zudem stieg der Anteil der Teilnehmenden mit einer vollständig erlebten mystischen Erfahrung im Vergleich zur ersten Erfahrung von 38 Prozent auf 77 Prozent. Diese Signale sind ermutigend, müssen jedoch wegen der Studienanlage vorsichtig interpretiert werden.
Welche Rolle spielt das Gruppenformat?
Das Gruppenmodell wurde auch aus Sicht der öffentlichen Gesundheit diskutiert. Einzelsitzungen mit zwei Therapeutinnen oder Therapeuten pro Person sind ressourcenintensiv, während Gruppenformate potenziell besser skalierbar sind und soziale Unterstützung fördern. Die Studie deutet darauf hin, dass gemeinsame Vorbereitung, Begleitung und Integration in der Gruppe zur Zugänglichkeit beitragen können. Ob Gruppenangebote mit weniger psychotherapeutischer Begleitung ähnlich wirksam sind wie intensive Einzelsettings ist offen und bedarf weiterer Forschung.
Wichtige Einschränkungen
Die Untersuchung hatte keine Kontrollgruppe, um Placeboeffekte oder natürliche Schwankungen auszuschließen. Die Stichprobe war klein und vorselektiert, alle Personen hatten bereits an einer vorherigen Psilocybinretraite teilgenommen. Mehrere Änderungen im Protokoll erfolgten gleichzeitig, etwa höhere Startdosis, mögliche Zusatzgabe und keine Pflicht zum Absetzen von Antidepressiva. Daher lässt sich nicht klären, welches Element die beobachteten Verbesserungen am stärksten beeinflusst hat. Verallgemeinerungen sind nicht möglich und robuste Schlussfolgerungen erfordern größere, randomisierte Studien.
Praktische Hinweise für Betroffene
Die Ergebnisse sind ein erster Sicherheits- und Machbarkeitsnachweis in einem eng umrissenen Kontext und stellen keine allgemeine Empfehlung dar. Eine psychedelische Begleitung kann eine onkologische Behandlung nicht ersetzen und sollte nur unter professioneller Vorbereitung und Integration erwogen werden. Informationen zu Anwendungsbereichen und möglichen Zielen einer begleiteten Erfahrung finden Sie auf unserer Seite zum Einsatzgebiet. Wenn Sie sich über verfügbare Angebote informieren möchten, sehen Sie unsere Retreats auf Deutsch. Für eine persönliche Ersteinschätzung können Sie unseren kurzen Fragebogen zur Anmeldung nutzen. Eine gut verständliche Zusammenfassung der beschriebenen Studie finden Sie im Trip Forum unter diesem Beitrag.
Fazit
Eine zweite gruppenbasierte Psilocybintherapie bei Krebspatientinnen und Krebspatienten mit nur teilweisem Ansprechen zuvor wirkte in dieser kleinen Phase 1 Studie sicher und durchführbar, mit ersten Hinweisen auf Linderung von Angst und Niedergeschlagenheit. Aufgrund der methodischen Grenzen sind größere kontrollierte Studien nötig, bevor verlässliche Empfehlungen möglich sind.